Aikido - Dynamik und Sanftmut
Ai-Ki-Do ist ein Weg (Do), die Lebensenergie (Ki) in Harmonie (Ai) zu bringen.
Als Kampfkunst lehrt Aikido den achtsamen Umgang mit Anderen, die uns als Partner
für die eigene Entwicklung dienen und umgekehrt.
Der Trainingspartner (Uke) bringt seine Energie in Form eines Angriffs ein. Diese
Energie leitet der Aikidoka (Übender) weiter und führt sie in kreis- und
spiralförmige Bewegungen, deren Zentrum der Verteidiger (Tori) selbst bildet.
Die Techniken des Aikido zeigen dem Angreifer, dass die gegen den
anderen gerichtete Energie neutralisiert wird. Gleichzeitig geht es darum,
einen Standpunkt einzunehmen und diesen klar zu vertreten.
Aikido-Techniken
Aikido unterscheidet sich von den üblichen Kampfsportarten schon dadurch,
dass es keine Wettkämpfe gibt. Es gilt nicht, einen Gegner zu besiegen,
sondern gemeinsam zu einer fließenden Bewegung zu kommen.
Um seinem Partner das Üben der Aikido-Techniken zu ermöglichen,
übernimmt einer die Rolle des Angreifers (Uke) und bringt seine Energie in Form
eines Fauststoßes, eines Schnittes mit dem Holzschwert (Bokken), eines
Stoßes mit dem Holzstock (Jo) oder Holzmessers (Tanto) oder durch Zupacken
ein.
Der Verteidiger (Tori) bewegt sich in dem Moment, in dem Uke seinen Angriff
so weit eingeleitet hat, dass er die Richtung nicht mehr ändern kann,
so weit aus der Angriffslinie, dass der Angriff ins Leere geht.
Um einen neuerlichen Angriff zu vermeiden, nimmt Tori Kontakt mit seinem Uke
auf und führt dessen Bewegung weiter. In der Folge wird Uke versuchen, seine
Richtung zu verändern, damit er nicht das Gleichgewicht verliert. Dieser
Richtungsänderung folgt Tori, wobei er darauf achtet, dass er, wie die Nabe
eines Rades, das Zentrum der sich daraus ergebenden kreis- und
spiralförmigen Bewegungen bildet.
Aufgabe des Uke ist es, seinem Tori, solange es ihm möglich ist,
Energie in Form von Angriffen und Richtungsänderungen zu liefern. Ein
abschließender Wurf ergibt sich daraus, dass Uke sein Gleichgewicht
endgültig verliert.
Dabei ist es Aufgabe von Tori, Uke dabei so zu führen, dass dieser
gefahrlos für sich und die ringsum Trainierenden abrollen kann, um
für die nächste Übung bereit zu sein.
Eine andere Variante des Abschlusses bilden Festhaltegriffe, die so
auszuführen sind, dass der Uke unter Kontrolle gehalten wird. Jedoch
ist darauf zu achten, dass gleichzeitig Gelenke gedehnt und somit der
Energiefluss im Körper angeregt wird.
Steigerung des Wohlbefindens
Kontinuierliches Training führt generell zu runden, geschmeidigen
Bewegungen und aufrechter Körperhaltung. Wie der Körper, wird auch
der Geist beweglicher.
Damit erlangen wir die Fähigkeit, uns den Gegebenheiten unserer
Umwelt anzupassen und mit dieser in Harmonie zu leben. Ein beweglicher Geist
ist in der Lage, Träume und Visionen zu entwickeln und diese in die Tat
umzusetzen.
Der Umgang mit einem Uke zeigt ängstlichen Menschen, dass man
sich nicht von Energie, die auf einen zukommt, einschüchtern lassen muss,
sondern es Wege gibt, diese in Bahnen zu lenken.
Menschen, die gewohnt sind, mit viel Krafteinsatz ihre Ziele zu erreichen und
dabei Widerstände überwinden müssen, finden einen Weg,
sparsamer mit ihrer Energie umzugehen und Widerstände zu vermeiden.
Die Übung des Fallens steigert das eigene Vertrauen und bringt uns
dem Traum vom Fliegen näher.
Vor allem aber zeigt Aikido, dass wir sehr viel gewinnen, wenn wir nicht das
Verlangen haben, andere zu besiegen.
Ki, die Körperenergie
Ki ist die Energie, die dem menschlichen Körper Leben verleiht. Diese
Energie fließt in unserem Körper entlang von bestimmten Bahnen, mehr
oder weniger gleichmäßig. Blockaden im Energiefluss verhindern
ausgeglichene Lebensführung und können zu Verspannungen auf den
Ebenen Körper, Geist und Seele führen.
Aikido kann ein Begleiter auf dem menschlichen Lebensweg sein, den
Energiefluss dem Gleichgewicht näher zu bringen. Bei den Techniken des
Aikido wird nach einem harmonischen Weg gesucht, in dessen Richtung sich die
Bewegungen des Uke weiterführen lassen, ohne Kraft aufzuwenden. Diese
gemeinsam mit einem Partner ausgeführten Übungen führen bei
beiden dazu, dass die eingebrachte Energie frei fließt und dass sich Bockaden
im Energiefluss lösen können.
Geschichte des Aikido
Aikido wurde von Morihei Ueshiba (1883 - 1969) begründet. Schon in jungen
Jahren begann Ueshiba Sumo, Jiu-Jitsu, Judo, Kenjutsu (Schwertkampf) und
Sojutsu (Speerkampf) zu trainieren. Besonders geprägt wurde Ueshiba von der
Begegnung mit Takeda Sokaku, den Großmeister des Daito-ryo-Jujutsu, von
dem er schließlich zum Shihandai (Ausbilder) in dieser Kampfkunst ernannt
wurde.
Spirituelle Prägung erhielt Ueshiba durch Deguchi Onisaburo, dem Meister
der religiösen Omoto-kyo-Bewegung. Onisaburo war Pazifist, Befürworter
des gewaltfreien Widerstandes und der weltweiten Abrüstung.
Dort, beim Omoto-kyo Hauptsitz in Ayabe gründete Ueshiba sein Dojo
(Übungsraum), die Ueshiba Akademie für Kampfkünste. Zusätzlich
übernahm er die Verwaltung der biologisch bewirtschafteten Landwirtschaft.
Für Ueshiba bestand eine besondere Beziehung zwischen Budo und
Landwirtschaft, weil beide Aktivitäten das Leben nähren, reines Leben und
hohe Gedanken unterstützen. Budo, der Weg des Kriegers (Samurai), ist ein
geistiger Weg, der die Schöpfung widerspiegelt und zu Wahrheit, Tugend und
Schönheit führt.
1942 zog sich Morihei Ueshiba in die Wälder von Iwama zurück,
betrieb Landwirtschaft und widmete sich der von ihm weiterentwickelten Kampfkunst
und entschied, diese Aikido - Weg der Harmonie und Liebe - zu nennen.
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